M.A., B.A. Sina Nitzsche
Tel.: 0231 755-2903
Jens Althoff
Matthäus Ochmann
Iman Soltani
Universität Duisburg-Essen


July 2-3, 2010 im Dietrich-Keuning-Haus, Dortmund
Im Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 bestehen Anspruch und Möglichkeit, verschiedene kulturelle Phänomene kennenzulernen und wissenschaftlich zu erfassen. Die geplante internationale Konferenz soll daher der Frage nach der kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung des HipHop im Ruhrgebiet nachgehen. Die Distanz der Vertreter des HipHop zu den akademischen Diskursen ist in den letzten Jahren überwunden worden: zahlreiche Kongresse und Buchprojekte setzten sich mit HipHop auseinander – insbesondere das Spannungsfeld zwischen lokal und global wird intensiv untersucht. Die Frage nach dem Stellenwert des HipHop im Ruhrgebiet allerdings wurde bislang nicht intensiv behandelt, was angesichts der Attraktivität und Dynamik dieser Szene kaum verständlich ist.
Die Konferenz setzt sich zum Ziel, den HipHop im Revier als eine Spielart dieses globalen Kulturphänomens zu begreifen, weil sich hier die sozialen und ökonomischen Spannungsverhältnisse des Strukturwandels verdichten. HipHop in seinen verschiedenen Spielarten in Deutschland bezieht sich stark auf den Gründungsmythos des amerikanischen HipHop, der seine Entstehung in den Straßen der Bronx der 1970er Jahre verortet. Konkret zeichnet den HipHop im Ruhrgebiet seine „[…] proletarische Liebe zur Region, in der man aufgewachsen ist, der Schatten des Förderturms, das nächtliche Erröten des Horizont beim Öffnen der Hochöfen, Kronenbier und BVB […]“ wie es Hannes Loh und Sascha Verlan in ihrem Standardwerk zu 25 Jahre HipHop in Deutschland ausdrückten. Vor dem Hintergrund dieser Einordung ist zu diskutieren, wie der HipHop im Ruhrpott den Niedergang der Industrie und die Suche nach einer post-industriellen kulturellen Identität thematisiert. Gefragt werden soll, welche Inszenierungen gewählt und welche Botschaften transportiert werden, um dem HipHop eine „Ruhrpott-Attitüde“ zu geben. Zusätzlich gilt es zu reflektieren, welches die spezifischen Aneignungsprozesse der Fans von Ruhrpott-HipHop sind.
Neben dieser identitätsstiftenden Funktion muss HipHop als ein in (gesamt-)wirtschaftliche Prozesse eingebundenes Phänomen verstanden werden. HipHop im Ruhrgebiet oszilliert zwischen Kommerz und Kreativität und kann somit als eine ‚alternative Kreativwirtschaft‘ verstanden werden. AktivistInnen gründen eigene Labels (z. B. Tribehaus, Selfmade, Selam Inc, Silo Nation, Masmedia, etc.), entwickeln eigene Distributionssysteme und schaffen eigene Vermarktungskanäle, scheinbar jedoch ohne dabei die Glaubwürdigkeit der HipHop-Community zu verlieren. Deshalb stehen während der zweitägigen Konferenz Fragen zu Produktion, Konsum und Distribution im Kontext von street credibility und künstlerischer Kreativität zur Diskussion.
Die internationale Tagung untersucht HipHop im Revier im Spannungsfeld kulturwissenschaftlicher, politikwissenschaftlicher und praktischer Diskurse. Daher begrüßen die OrganisatorInnen wissenschaftliche und kreative Einsendungen aus den verschiedensten Disziplinen. Ziel der Tagung soll eine umfassende Bestandsaufnahme des Ruhrpott-HipHop aus wissenschaftlicher und praktischer Perspektive sein. Dies beinhaltet die Diskussion von Fallbeispielen und Theoriebezügen, Begriffsarbeit sowie die Erarbeitung von Bausteinen für eine Theorie des HipHop im Revier.
Drei Themenkomplexe sollen im Vordergrund stehen:
Identitäten: „Only Steel is Real“. Debattiert werden sollen die Erscheinungsformen des Ruhrpott-HipHop im Lichte der Gründungsmythen; der spezielle Umgang mit Deindustrialisierung, Strukturwandel und Kulturwandel; die verschiedenen ethnischen, geschlechter- und schichtspezifischen Identitäten; Beispiele für Repräsentationen sowie das Spannungsverhältnis lokal – global – transnational.
Ökonomien: „POTTential“. Untersucht werden sollen das kreative Potential von HipHop bzw. HipHop als ‚alternative’ Kreativwirtschaft; Produktions-, Distributions- und Vermarktungsstrategien des HipHop im Ruhrpott; der scheinbare Widerspruch von Kommerzialisierung und Glaubwürdigkeit; der Zusammenhang von Medien und Ökonomien.
Politiken: „Each One Teach One“. Erörtert werden sollen die politischen Rahmenbedingungen auf Landesebene (NRW); die Potentiale des HipHop im Bildungswesen, darunter Curriculumsentwicklung, Rahmenlehrpläne; außerschulische HipHop-Förderung in der Jugendarbeit; Rap-Pädagogik; Pilotprojekte.
Call for Papers (deu)
Achtung: Der Call for Papers endet am 1. März 2010. Wir freuen uns über Ihre Einsendungen!
Wir danken der Heinrich Böll Stiftung NRW ganz herzlich für die Unterstützung des Projektes!
Die Konferenz findet am 2. Juli 2010 ganztägig statt. Am 3. Juli werden Praxis-Workshops zu ausgewählten Aspekten der HipHop-Kultur abgehalten. Die Konferenz endet am 3. Juli 2010 im Rahmen der ruhrgebietsweiten Langen Nacht der Jugendkultur mit einer Abschlussveranstaltung, zu der unter anderem auch HipHop-Künstler aus dem Ruhrgebiet auftreten werden.
Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei. Wir bitten Sie sich bei Sina Nitzsche anzumelden.